« … und Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses schreiben und an deine Tore. » (5. Mose 6,9)
Es ist in der Regel allgemein bekannt, dass das Judentum eine Religion ist, die die Zeit heiligt, und nicht so sehr den Raum (dazu z.B. Heschel’s Werk über den Sabbat). Es gibt viele Zeiten, die geheiligt werden, aber nur sehr wenige Orte. Aber wie mit allen Regeln gibt es auch hier eine besondere Ausnahme: das Heim, welches durch die Mitzwah der Mezuzah geheiligt wird – ein biblisches Gebot, das man in 5. Mose 6 finden kann.
Aber was macht ein Heim jüdisch? Ist es nur die Mezuzah? Ich wage dies zu bezweifeln. Das jüdische Heim entsteht durch die, die darin leben – durch ihre Taten, ihr Reden, ihr Glaube, die Dinge die sie denken und die Dinge die sie tun oder nicht tun.
Gemeinschaft, Gemeinde ist sehr wichtig, aber die Basis, sozusagen die „Festung“ der Gemeischaft (oder der Gemeinde) war immer das Heim. Ein Heim ist mehr als nur vier Wände und ein Dach, mehr als nur der Ort an dem man isst und schläft, etwas Fernsehen schaut und vielleicht etwas liest.
Das jüdische Heim wird auch miqdash me’at, „kleines Heiligtum“ genannt. Das erste Heiligtum, dass die Israeliten in der Wüste hatten, war die Stiftshütte. Gott hatte in Ex. 25,8 dem Volk geboten, dass sie ihm die Stiftshütte, das Zelt der Begegnung, bauen, auf dass Er „unter ihnen wohne“. Dieses „unter ihnen wohnen“, hebräisch בתוכם betocham, kann man auch mit « in ihnen wohnen » übersetzen. Das bedeutet, dass Gott nicht irgendwie physisch in diesem Heiligtum wohnt, but im Volke Israel. Daher haben die Weisen erklärt, dass Gott im Herzen einer jeden jüdischen Frau und eines jeden jüdischen Mannes wohnt und daher, ist jede solche Person und das Heim in dem sie wohnt, geheiligt.
Nach dem Zelt der Begegnung hatten die Israeliten dem Tempel in Jerusalem und nach dessen Zerstörung wurde das Heim „kleines Heiligtum“ gennant; das Heim war (und ist) nicht nur der Ort, an dem gelebt wird, sondern auch ein Ort für Tätigkeiten wie das Torah-Studium, Gebet und Gemeinschaft. Wenn sie jemals in einem jdischen Heim gewesen sind, haben sie sicher gemerkt dass es dort meisst viele Bücher gibt, und auch von morgens bis abends Gebete und Segenssprüche gesprochen werden. Der Esstisch ersetzt den Altar, und so wird das Essen zu mehr als nur dem zu-sich-nehmen von Speisen. So wird das eim nicht nur zu einem Ort, an dem man sich ernaährt, sondern auch einem Ort, an dem man geistlich genährt wird. Idaelerweise lernen und beten dort Kinder und Erwachsene zusammen – ohne natürlich auch den Spass und die freude zu vergessen!
Ein anderer wichtiger Aspekt eines jüdischen Heims ist auch der Friede, der shalom bayit. Zu Hause kommen wir am leichtesten in Versuchung, uns gehen zu lassen. Natürlich können und sollen wir zu Hause ganz wir selbst sein, ohne unsere Masken, doch sollte auch hier dem Frieden nachgejagt werden, soll es wichtig sein in rechten und ge-rechten Beziehungen zu leben und einander Respekt zeigen, auch zwischen den Generationen. Dieser Friede wird dann von unserem Heim in Beziehungen ausserhalb des Heimesfliessen: auf der Arbeit, mit Fremden, in der Gemeinde. Der Talmud warnt vor Unfrieden und Zwistigkeiten im Heim („Ärger im Heim ist wie Würmer im Getreide“ Sotah 3b, „Ein Heim voller Unmut wird nicht bestehen“ Derekh Eretz Zutah 9,12).
Shalom. Frieden. Frieden ist essentiell. Yeshua (Jesus) selbst sagte „selig, die Frieden stiften“, und Paulus warnte evenfalls in Gal. 5, 14-15 „Denn das ganze Gestz hat seine Erfüllung in einem Wort gefunden: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Wenn ihr einander aber beissen und fressen wollt, dann seht zu, dass ihr euch nicht gegenseitig verschlingt!“ Dieser rat gilt für die Gemeinde, aber auch für das Heim – unser Heim sollte ein Abbild des Friedenfürsten sein, und der Frieden des Sabbats sollte die ganze Woche durchdringen. In einem solchen Heim wären Gäste nicht nur willkommen, sondern würden sich wirklich zu Hause fühlen. Gastfreundschaft gehört mit zu den wichtigsten jüdischen Werten, ein Wert der im Tanakh („Altes Testament“ für die Christen) und im Neuen Testament hoch geschätzt wird, und auch im babylonischen Talmud hervorgehoben wird (Sabbat 127a: Es gibt sechs Dinge dessen Frucht der Mensch in dieser Welt essen wird, [auch] wenn das wichtigste in der kommenden Welt kommen wird: Gastfruendschaft gegenüber Reisenden, die Kranken zu besuchen, Gebet, früh im Bet HaMidrash zu sein, seine Söhne nach der Torah zu erziehen, und seinen Nächsten nach seinen Leistungen zu bewerten).
So ist das jüdische Heim wirklich ein kleines Heiligtum. Wie der Temple ist ein Ort der Torah, des Gebets und der Freundlichkeit und dort ist Gott gegenwärtig – im Heim und denen, die dort wohnen. Die Idee, dass Gott in den Gläubigen wohnt, gibt es nicht nur in der Torah, sondern auch im Neuen Testament, in dem geschrieben steht, dass der Körper des Gläubigen der Tempel des heiligen Geistes ist.
Gott giesst seinen Segen in ein solches Heim, und von dort „läuft er über“ in die Welt, durch warmherzige Gastfreunschaft und Akte der Liebe und des Mitgefühls. Und nicht nur Heim und Gläubige sind Heiligtümer, sondern Gott selbst ist unser Heiligtum, wo auch immer wir sind: „Darum sprich: So spricht Gott der HERR: Obwohl ich sie weit fort unter die Nationen gebracht habe, und obwohl ich sie in die Länder zerstreut habe, bin ich ihnen zu einem kleinen Heiligtum geworden in den Ländern, in die sie gekommen sind“ (Hes. 11, 16).